Mecklenburg-Vorpommern mit höchster Armutsgefährdungsquote aller Länder

23,1 Prozent von Armut betroffen oder bedroht

Nr.83/2010  | 27.08.2010  | StatA MV  | Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern

Nach Mitteilung des Statistischen Amtes wurden auf Basis des Mikrozensus 2009 aktuelle Armutsgefährdungsquoten für Bund und Länder berechnet. Im Ergebnis sind die Einwohner Mecklenburg-Vorpommerns im Ländervergleich am stärksten armutsgefährdet. 23,1 Prozent unserer Landesbevölkerung musste 2009 mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bundesbevölkerung (Bundesmedian) auskommen. Damit war mehr als jede fünfte Person von Armut betroffen oder bedroht. Risikofaktoren sind vor allem die Erziehung von mehr als zwei Kindern, Alleinerziehung, Erwerbslosigkeit und/oder geringe Qualifikation.

Im Jahresdurchschnitt 2009 waren bundesweit 14,6 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet. Die Armutsgefährdungsquoten der Länder gemessen am Bundesmedian ergaben auch 2009 ein nach wie vor deutliches Ost-West-Gefälle: Ein erhöhtes Armutsrisiko hatten in den neuen Ländern (einschließlich Berlin) 19,5 Prozent der Bevölkerung. Im früheren Bundesgebiet (ohne Berlin) waren mit 13,3 Prozent deutlich weniger Menschen gefährdet zu verarmen.

Mecklenburg-Vorpommern weist (gemessen am Bundesmedian) die höchste Armutsgefährdungsquote aller Länder auf: 2009 war hier mehr als jede(r) Fünfte (23,1 Prozent) armutsgefährdet. Zum Vergleich: In den Ländern Baden-Württemberg (10,9 Prozent) und Bayern (11,1 Prozent) betraf Armutsgefährdung nur etwa jede(n) Zehnte(n) (zum Länder- und Regionalvergleich siehe auch Grafik in der Anlage).

Gemessen am Einkommen der eigenen Bevölkerung war 2009 in Mecklenburg-Vorpommern noch jede(r) Siebente (14,7 Prozent) armutsgefährdet, hatte also weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Einkommens der mecklenburg-vorpommerischen Bevölkerung zur Verfügung.

Die Betrachtung der Armutsgefährdungsquoten nach ausgewählten soziodemografischen Merkmalen identifiziert als wesentlichste Armutsrisiken die Erziehung von mehr als zwei Kindern, Alleinerziehung, Erwerbslosigkeit und/ oder geringe Qualifikation.

Gemessen am Bundesmedian galten 2009  65,2 Prozent der Erwerbslosen Mecklenburg-Vorpommerns als arm oder armutsgefährdet (gemessen am Landesmedian: 49,5 Prozent). Ursächlich dürften hier das im Ländervergleich geringe Lohn- und Gehaltsniveau (Basis der ALG I-Berechnung) sowie der hohe Anteil an Hartz IV-Empfängern sein.

Alleinerziehung ist häufig mit eingeschränkten Erwerbsmöglichkeiten verbunden. Es überrascht daher nicht, dass Alleinerziehende unseres Landes zu 56,1 Prozent (gemessen am Bundesmedian) als armutsgefährdet eingestuft werden (gemessen am Landesmedian: 35,7 Prozent).

Aber auch für Paare ist die Erziehung von Kindern nicht nur kostenaufwändig sondern ggf. auch armutsgefährdend. Das trifft insbesondere auf Paare mit mehr als zwei Kindern im Haushalt zu: Gemessen am Bundesmedian waren sie 2009 in Mecklenburg-Vorpommern zu 42,2 Prozent arm oder von Armut bedroht. Gemessen am Landesmedian waren 25,7 Prozent der Paare mit mehr als zwei Kindern arm oder armutsgefährdet.

Eine weitere Risikogruppe für Armutsgefährdung bilden Geringqualifizierte. Gemessen am Bundesmedian waren 36,7 Prozent der über 25-jährigen gering qualifizierten Personen armutsgefährdet. Für Hochqualifizierte betrug diese Armutsgefährdungsquote lediglich 9,3 Prozent.

Armutsgefährdungsquoten ausgewählter soziodemografischer Gruppen in Mecklenburg-Vorpommern weist die Tabelle in der Anlage aus.

Gemäß Definition der Europäischen Union gelten Menschen als armutsgefährdet, die mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) der zum Vergleich herangezogenen Bevölkerung auskommen müssen.

Ein umfangreiches Datenangebot der amtlichen Statistik zu Sozial- und Armutsindikatoren in Deutschland ist im Statistikportal, dem gemeinsamen Internetauftritt der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, unter www.amtliche-sozialberichterstattung.de abrufbar.

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an Frau Frauke Kusenack, Telefon 0385 4801-4452.